Leseprobe Blutsklaven

Hier sind die ersten zwei Seiten aus meiner neuesten Kurzgeschichte „Blutsklaven“

Blutsklaven
Das plötzlich auftretende, beunruhigende Gefühl beobachtet zu werden, ließ seine Nackenhaare zu Berge stehen. Carlos war überzeugt, dass ein verstecktes Augenpaar ihn verfolgte. Suchend blickte er über die Schulter, um seinen möglichen Verfolger ausfindig zu machen, konnte aber niemanden entdecken. „Merkwürdig…“, murmelte er und nahm die Straße genauer in Augenschein. Dabei achtete er auf jedes noch so kleine Detail. Er erwartete, jeden Moment seinen Verfolger aus einer Gasse schleichen zu sehen, doch nichts regte sich. Die Straße blieb leer. So leer wie eine Seitenstraße in einem
weniger gut besuchten Teil Hamburgs an einem Donnerstagnachmittag sein konnte. Bei nicht mehr als fünf Autos in einer halben Stunde und quasi gar keinen Fußgängern hatte er nicht mit unerwünschter Gesellschaft zu rechnen. Er ging ruhig weiter und beugte sich schließlich vor, um in den rechten Außenspiegel eines am Straßenrand geparkten Kombis zu schauen. Außer seinem Gesicht mit der Narbe auf der Wange rechts neben der geraden Nase, umrahmt von wuscheligem schwarzen Haar mit langen Koteletten und einem ebenfalls schwarzen Kinnbart, gab es hinter ihm nichts zu sehen. Der Blick aus seinen ruhigen braunen Augen richtete sich wieder auf das Ziel vor ihm.

Nach wenigen Schritten wandte Carlos sich einer hölzernen Tür vor ihm zu. Sie gehörte zu einem sanierungsbedürftigen, alten Haus und wies ein gewöhnliches Zylinderschloss auf, das kein Problem für ihn darstellen sollte. Kurz sah er sich um, ob ihn jemand beobachtete. Wenn jetzt jemand die Polizei rufen würde, weil er glaubte, einen Einbrecher zu sehen, wäre die ganze Operation gefährdet. Mit wenigen Handgriffen zog er seinen elektrischen Schlossknacker aus der Tasche seiner schwarzen Weste, führte ihn gefühlvoll ein und wenige Sekunden später ertönte ein leises Klicken. Nun öffnete er leise die Tür und betrat vorsichtig den dunklen Hausflur.

Ein leichter Blutgeruch stieg ihm in die Nase, während er ein leises Stöhnen vernahm. „Na, da scheine ich ja richtig zu sein“, dachte er bei sich. Am Ende des dunklen Flures befand sich links eine Tür, das gegenüberliegende Fenster war mit schwarzer Folie vollständig abgeklebt. Unter der Tür drang ein schwacher Lichtschein hervor. Carlos schlich leise über den ausgetretenen Steinboden dorthin und spähte durch das Schlüsselloch. Viel zu erkennen war nicht, außer dass der Lichtschein von rechts kam. Vorsichtig drückte er die Klinke herunter, um zu prüfen, ob die Tür verschlossen war. Sie lies sich leicht öffnen; ohne ein Geräusch zu verursachen, schob er sie ganz auf und betrat den Raum. Die schummrige Beleuchtung kam von einer einzelnen, am Boden stehenden Schreibtischlampe, die Luft war stickig, sie roch nach Schweiß und Blut. Vor Carlos erstreckte sich eine gähnende, schwarze Leere – wie der gewaltige Rachen eines urzeitlichen Ungeheuers. Das Licht der kleinen Lampe reichte nicht aus, um die gegenüberliegende Wand zu beleuchten, darum konnte Carlos nur schätzen, wie groß diese Halle war. Im spärlichen Licht der Lampe konnte er die Umrisse von Käfigen erkennen. Sie waren ungefähr zwei Meter hoch, zwei Meter breit und noch einmal so tief. Sie wurden von dicken, stählernen Gittern gebildet und schienen eine Pritsche und einen Eimer zu beinhalten, genaueres konnte Carlos nicht erkennen.

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